Bestimmt hat jeder schonmal die Jungs und Mädels mit den „seltsamen“ Prismenbrillen in der Kletterhalle gesehen. Die Tatsache, dass ihr auf meinem Beitrag gelandet seid, zeigt mir, dass ihr euch auch für das Thema „Kletterbrillen“ interessiert. Im Fachjargon heißen diese Kletterbrillen allerdings „Sicherungsbrille“, so wie sie auch die meisten Hersteller nennen. Es handelt sich dabei um einen Brillenrahmen, der meist aus Kunststoff oder Edelstahl gefertigt ist. Auf diesem sind Glasprismen aufgebracht, die eine Sicht auf den Kletternden ermöglichen, ohne dass der Sichernde den Kopf in den Nacken beugen muss.

Sicherungsbrillen im Vergleich

Warum benötigt man eine Kletterbrille zum Sichern?

Der Grund, warum man diese Sicherungsbrillen verwendet, ist die ungesunde Kopfhaltung, die man oft minutenlang einnimmt, wenn man normalerweise einen Kletterpartner sichert. Gerade im Vorstieg muss man immer ein Auge darauf haben, was der Kletterpartner gerade macht, damit man im richtigen Moment Seil ausgeben oder einholen kann. Die Folge dieser unnatürlichen Haltung sind nicht selten Verspannungen im Nacken oder Probleme mit der Halswirbelsäule – beides führt zu Nackenschmerzen, die nicht nötig sind. In Klettererkreisen kursiert schon der Begriff „Sicherernacken“. 😉

Durch eine Sicherungsbrille kann man beim Sichern bequem geradeaus schauen und sieht durch die Prismen dennoch, was oben beim Kletternden gerade passiert. Eine unverkrampfte Kopfhaltung ermöglicht so volle Konzentration auf den Kletterpartner, ohne dass man Nackenschmerzen bekommt.

Wie es die Kletterbrille funktioniert, seht ihr hier in einem Video von Bergsteigen.com:

Tipps zur Sicherungsbrille – so findet ihr die richtige!

Ich habe nun schon seit mehreren Jahren eine CU Sicherungsbrille, die ich auch die meiste Zeit beim Sichern trage. Als ich meine Prismenbrille gekauft habe, gabe es in der Tat nur den Hersteller „Power n Play“, der die „CU“ Sicherungsbrillen herstellt. Mittlerweile sind viele Anbieter dazu gekommen, so dass sich auch das Angebot an Modellen vergrößert hat. Es gibt diverse Ausführungen mit beweglichen Prismen, fixen Prismen, Sonnenbrillen-Aufsätze, welche mit Kopfbändern und solche mit Brillenbügeln. Da ist die Auswahl nicht ganz einfach, aber genau hier möchte ich euch helfen, damit ihr das passende Modell findet.

Sicherungsbrillen für Brillenträger

Eine nicht unerhebliche Menge an Kletterern sind Brillenträger. Hier stellt sich natürlich sofort die Frage, wie eine Sicherungsbrille MIT einer optischen Brille verwendet werden kann. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es zum Beispiel bei der CU Sicherungsbrille kein Problem ist, diese zusätzlich zur normalen Brille zu tragen. Die Konstruktion ist sehr leichtgewichtig und dünn gehalten, dass sie kein unnötiges Gewicht mit sich bringt. Dazu besteht der Rahmen aus Edelstahl, der sehr robust, aber auch extrem dünn ist. Dadurch kann man die Bügel der CU Kletterbrille ohne Probleme über die Brillenbügel legen.

CU Sicherungsbrille in Orange

Die CU Sicherungsbrille G 3.0 gibt es in Orange oder komplett in schwarz beschichtet (meist ist schwarz etwas teurer). Erhältlich ist sie hier bei Bergfreunde.de oder bei Bergzeit.de.

Die Brille wird hinten nicht mit den Ohrenbügeln fixiert sondern drückt sich durch den Edelstahl hinten zusammen. Die zusätzliche rutschfeste Gummierung sorgt dabei für sicheren Halt. Und für alle Fälle liegt der Brille auch noch eine dünne Schnur bei, die man leicht an den Brillenbügeln befestigen kann. Sollte man die CU Prismenbrille also mal „verlieren“ hängt sie in jedem Fall noch um den Hals des Trägers.

Wie oben erwähnt, gibt es die CU Sicherungsbrille bei diesen beiden Online Shops zu kaufen: bei Bergfreunde.de oder bei Bergzeit.de – der Preis liegt in der Regel bei ca. 100 EUR.

Die Unterschiede zwischen Y & Y und CU Kletterbrillen

Wer ein bisschen in den Shops stöbert, stößt auch schnell auf Sicherungsbrillen von Y&Y, die etwas günstiger sind als die CU Kletterbrille. Hier stellt sich natürlich die Frage, wo die Unterschiede liegen. Ich persönlich kann hier nur Vermutungen anstellen oder mir aus den Kundenmeinungen etwas zusammenreimen. Was allerdings gleich auffällt, sind die Bügel, die bei den Y&Y Brillen tatsächlich eher wie die Bügel einer normalen Brille wirken. Sie haben ein Gelenk zum Einklappen eingebaut und auch hinten eher solche Ohrenbügel.

Y&Y Sicherungsbrille

Die Sicherungsbrillen von Y&Y sind der CU Brille ähnlich, aber unterscheiden sich im Detail: Die Brillenbügel sind klappbar, das Nasenstück ist etwas klobiger und die Brillenbügel sind hinten nach unten gebogen. Durch das Gelenk weisen sie keine Spannung auf, die die Brille seitlich an den Kopf drückt, wie es bei den CU Sicherungsbrillen der Fall ist. Erhältlich ist die Y&Y Prismenbrille zum Beispiel bei Bergzeit.de (preislich deutlich unter den CU Kletterbrillen angesiedelt).

Vorteil der Y&Y Sicherungsbrillen

Der Vorteil ist, dass man die Y&Y Brillen kleiner zusammen klappen kann, denn die CU Sicherungsbrillen werden einfach zusammen gedrückt (durch den Edelstahl federn sie immer wieder in die Ursprungsform) und dann in die Transportbox gepackt. Ebenso sind sie im Preis deutlich unter den CU Sicherungsbrillen angesiedelt. Bei Bergzeit.de kosten sie etwa 70 bis 80 EUR.

Vorteil der CU Sicherungsbrillen

Der Vorteil der CU Brillen ist natürlich, dass man kein Gelenk an der Sicherungsbrille hat, das kaputt gehen kann. Ich bin schon häufiger mal aus Versehen auf meine CU Sicherungsbrille getreten, da ich sie kurz mal in den Kletterschuh gesteckt habe, damit sie nicht verloren geht. Nach dem Sichern habe ich es natürlich vergessen und bin in den Kletterschuh gestiegen. Auch ist sie mir schonmal aus größerer Höhe runter gefallen – aber alles hat sie ohne Beschädigungen überlebt. Ich nehme an, dass dies zum großen Teil so ist, weil sie eben sehr einfach konstruiert ist und ohne viel Schnickschnack auskommt.

Vergleich Y&Y und CU Sicherungsbrillen

Im Vergleich: Y&Y und CU Sicherungsbrille – mit Gelenk am Brillenbügel und ohne. Die Platzersparnis durch das Gelenk ist deutlich sichtbar.

Ein weiterer Unterschied (hier vermute ich mal, dass es so ist) liegt in der Spannung der Bügel: Die CU Brillen haben kein Gelenk und daher drücken die Edelstahl-Bügel seitlich an den Kopf. Man merkt es kaum, es ist also nicht unangenehm! Dennoch gibt dies der Prismenbrille einen guten Halt ohne dass sie mit einer normalen optischen Brille in Kollision kommen würde. Die Brillenbügel sind auch so lang, dass man die Sicherungsbrille ohne Probleme vor die optische Brille auf die Nase setzen kann. Die haben mir auch schon zwei Brillenträger bestätigt, die auch eine CU Sicherungsbille haben. Ob dies bei der Y&Y Kletterbrille der Fall ist, kann ich leider nicht beurteilen.

Wer sich für die Y&Y Sicherungsbrille mit Edelstahlrahmen interessiert, findet sie hier bei Bergzeit.de.

Belaggles Sicherungsbrille – unausgegoren?

Auf Amazon findet man auch eine Kletterbrille des Herstellers „Belaggles“. Diese ist erhältlich in vielen bunten Farben. Der Rahmen ist aus Nylon gefertigt und mit einem Gelenk versehen. Der Nachteil bzw. Vorteil von Gelenken an den Brillenbügeln habe ich ja oben schon erläutert.

Belaggles Kletterbrille

Die Belaggles Kletterbrille hat noch kleine Kinderkrankheiten, aber vielleicht wird ein zukünftiges Modell mal eine Emfpehlung. Aktuell ist sicher das bunte Nylon, das sehr robust ist, ein großer Pluspunkt der Sicherungsbrille – im Praxiseinsatz zeigt sie jedoch einige Schwachpunkte. Erhältlich ist sie bei Amazon.

Der Hersteller wirbt mit einem Produkttext, den ich sehr lustig finde:

Beugt „Sicherernacken“ vor: Halten Sie Ihren Nacken frei von Schmerzen und Verletzungen, so dass Sie immer zu 100% zum Klettern bereit sind. Einzigartige Merkmale: Viele einzigartige Funktionen machen Belaggles zur besten Sicherungsbrille für komfortables Sichern.

Da fragt man sich doch, was die „einzigartigen Funktionen“ sind, die diese Sicherungsbrille zur „besten“ ihrer Art machen. Ein Kunde hat da etwas kritischer bewertet:

Ein bisschen unausgegoren … Dieses Brillengestell ist dermaßen schmal, dass ich bezweifle, ob Männer es überhaupt aufsetzen können – von der Größe her entspricht es eher einer Jugend- oder einer sehr eng geschnittenen Damenbrille. Außerdem scheinen die aufgesetzten Prismen nicht wirklich auf ergonomische Fragen abgestimmt zu sein: Beim Sichern hat man den Eindruck, als ob man nicht geradeaus schauen kann, um den Kletterer zu folgen, sondern als ob man schielen muss – auf Dauer eher unbequem.

Ich würde das Modell nicht unbedingt als Empfehlung sehen, zumal sie mit dem Porto bei einem Gesamtpreis von fast 100 EUR liegt. Wer es günstig mag, ist vielleicht mit dem folgenden Modell von Y&Y besser bedient:

Y&Y Plasfun Sicherungsbrille

Der Zusatz „Plasfun“ zeigt schon, was hier das Merkmal ist: Der Rahmen der Brille ist aus Kunststoff. Das ist nicht abwertend gemeint, denn zum einen ist der Kunststoff laut Hersteller sehr stabil und preislich ist das Modell unangefochtener Sieger mit ca. 59 EUR.

Y&Y Plasfun Sicherungsbrille

Die Y&Y Plasfun Kletterbrille ist ein guter Kompromiss, denn sie bietet eine gute Konstruktion zu einem sehr guten Preis. Wer ein günstiges Modell sucht, ist hier auf jeden Fall richtig. Man kann sie bei Bergzeit.de kaufen, findet sie aber auch bei Amazon in allen Farben.

In der Praxis dürfte die Verwendung sehr gut sein, denn das Gestell ist dünn und gewiss kaum im Weg, wenn man mal an den Prismen vorbei nach dem Seil oder dem Kletterpartner am Einstieg schauen möchte. Auch die Kundenbewertungen bei Bergzeit.de sind allesamt positiv – hier ein Auszug:

Klasse Qualität und perfektes Preis-Leistungsverhältnis, passt auf jeden Kletterkopf und mit dem eher kleineren Sichtfeld perfekt zum Ablassen und Orientieren, denn es erlaubt ein Drüber- und Druntergucken. Sehr zu empfehlen!

Ich persönlich würde diese Sicherungsbrille all denen empfehlen, die keine 100 EUR für eine CU Brille ausgeben möchten. Sicher ist das Material bei der Y&Y Plasfun nicht so stabil wie Edelstahl, aber ihren Dienst tut sie in jedem Fall. Man sollte eben einfach nicht drauf treten. 😉

Update 09/2016 zur Y&Y Plasfun: Ich habe die Y&Y Plasfun Sicherungsbrille vor einigen Wochen vom Hersteller für einen Test erhalten. Ich kann sie wärmstens empfehlen: Nicht nur der Preis ist extrem gut, sondern auch die Verarbeitung. Die Brille sitzt sehr gut, ist leicht und sie fällt auch nicht vom Kopf, wenn man man nach unten schaut, um das Seil zu sortieren – dies ist mir bei der CU Brille schon mehrmals passiert.

4climb2born Kletterbrillen – Spezialbrillen für besondere Fälle (Eisklettern, Kälte)

Bei den Sicherungsbrillen von 4climb2born ist der Hersteller einem anderen Ansatz gefolgt. Während alle anderen Brillen mit Bügeln am Kopf befestigt sind, wird hier mit einem Band gearbeitet, das die Brille am Kopf fixiert. Klarer Vorteil: Man kann die Sicherungsbrille bestimmt auch nutzen, wenn man stark mit dem Kopf hin und her wackelt. Bei den anderen Modellen wird die Brille irgendwann vom Kopf rutschen – bei der 4climb2born wird das kaum passieren.

4climb2born Kletterbrille

Die 4climb2born Kletterbrille steep face 1.0 wird durch ein Kopfband gehalten – sehr stabil, aber eventuell auch etwas unbequem.

Der Nachteil der Kletterbrille von 4climb2born dürfte sein, dass man sie nicht mit einer optischen Brille kombinieren kann (konstruktionsbedingt). Und ob sie bequem zu tragen sind, ist ebenfalls eine gute Frage. Hilfreich ist sie aber auf jeden Fall für Einsätze im Kalten (zum Beispiel beim Eisklettern), denn diese Brille kann man auch mit einer Mütze aufsetzen. Einen Helm sollte man beim Eisklettern dann noch drüber packen. 🙂

Die 4climb2born Sicherungsbrille gibt es in zwei Ausführungen:

  • das Modell mit fixen Prismen – hier bei Amazon
  • das Modell mit beweglichen Prismen – hier bei Amazon; die beweglichen Prismen ermöglichen ein Einstellen des Sichtbereichs.

Warum ich manche Sicherungsbrillen nicht empfehle

Es gibt in der Tat einige Modelle von Kletterbrillen, die ich auch schon bei Bekannten gesehen habe: Sie sind günstig, bunt, haben Prismen, man sieht seinen Kletterpartner oben – aber sonst sieht man nichts. Der Grund dafür ist das dicke Plastik, das um die Prismen herum gebaut ist. Ich nehme an, das ist für die Stabilität gedacht, aber es hat den schwerwiegenden Nachteil, dass dadurch wirklich nur noch ein Blick durch die Brille machbar ist. Ein schneller Blick auf den Boden, um Seilkrangeln zu erkennen oder um beim Sichern am Fels einen guten Platz zum Stehen zu finden, ist leider unmöglich.

Auch kann man nicht an den Prismen vorbei schauen, wie es bei den oben vorgestellten CU und Y&Y Modellen möglich ist. Dieses Drunter- und Drübergucken ist nötig, damit man den Kletterpartner beim Einstieg spotten kann. Mit den „Plastikbombern“ ist das schlichtweg nicht drin.

Aus dem Grund möchte ich euch dringend von diesen Modellen abraten. Ich finde sie besonders beim Outdoor-Klettern sogar etwas gefährlich, da man als Sichernder häufiger mal seinen Platz wechseln muss, um nicht in die Falllinie des Partners zu geraten. Stolpert man dabei über einen Stein oder eine Wurzel, weil der Blick zum Boden durch den dicken Rahmen der Sicherungsbrille eingeschränkt ist, dann kann man schnell seinen Kletterpartner im Verstieg aus der Wand reissen. Etwas, das man garantiert nicht möchte… und er möchte es sicher auch nicht! 😉

Fazit: Drei Modelle sind empfehlenswert

Letztendlich würde ich zwei bzw. drei Modelle empfehlen, die ich hier nochmal kurz auflisten möchte:

Die Empfehlung im Bereich „Preis-Leistung“ ist definitiv die Y&Y Plasfun Sicherungsbrille. Bei ihr kann man gut „vorbeischauen“, um den Kletterer am Einstieg zu sehen und sie passt auf jeden Kopf. Dazu sitzt sie stabil und fällt nicht vom Kopf, wenn man mal nach unten schaut. Mit knapp 59 EUR ist sie ein Schnäppchen im Shop von Bergzeit.de oder bei Amazon.

Die aus meiner Sicht robusteste Wahl ist die CU Sicherungsbrille. Leicht, relativ unkaputtbar durch das Edelstahl und gut in der Praxis einsetzbar. Die Prismen sind wie bei den anderen Brillen auch aus Glas und natürlich nicht unkaputtbar. 😉 Ein kleiner Nachteil ist, dass man die CU Brille durch die Bügel nicht einhändig aufsetzen kann. Ebenso sitzt sie nicht so fest am Kopf, dass man schwungvoll nach unten schauen kann, ohne zu befürchten, dass sie runter fällt. Aktuell würde ich sie aufgrund der Bügel (noch) für Brillenträger empfehlen. Noch deshalb, weil Y&Y in Kürze mit einer Sicherungsbrille auf den Markt kommen, die speziell für Brillenträger gemacht wurde. Dennoch ist die CU Brille eine gute Wahl – auch für Leute ohne Sehschwäche. Leider ist sie auch die teuerste Wahl, denn der Preis liegt meistens über 100 EUR. Man bekommt sie hier bei Bergfreunde.de oder bei Bergzeit.de.

Ein Kompromiss zwischen beiden ist das Edelstahl-Modell von Y&Y, das ca. 80 EUR kostet, aber dafür einen dünneren Rahmen hat und sicher auch nicht zu zerbrechen ist. Die Schwachstelle könnte höchstens das Gelenk der Brillenbügel sein – aber das ist nur eine Vermutung, da ich diese Y&Y Brille nicht besitze. Kaufen könnt ihr sie – je nach Farbe – für 70 bis 80 EUR im Bergzeit.de Shop.

 

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